Dienstag, 10. Januar 2017

Der König mit der abgehackten Zehe




Es war einmal ein König, der einen Berater hatte. Dieser Berater nervte den König mit seinem extremen Optimismus.
Als der König eines Tages eine Kokosnuss zerkleinerte, passierte ihm dabei ein Missgeschick und er hackte sich eine Zehe ab.

Das hat sicher sein Gutes!

„Das hat sicher sein Gutes!“, rief sein Berater. Der König, der vor Schmerzen schrie und sich über die Aussage seines Beraters ärgerte, sperrte ihn in einen Brunnen, der sich in der Nähe befand.
Auf dem Rückweg zu seinem Schloss lauerten dem König Kopfjäger auf und wollten ihn als Menschenopfer ihren Göttern opfern. Als der Schamane sah, dass dem König eine Zehe fehlte, ließen sie von ihm ab, da die Götter nur unversehrte Körper als Opfer duldeten.
Der König war überglücklich. Da erinnerte er sich an die Aussage seines Beraters und ihm wurde bewusst, dass er diesem bitter Unrecht getan hatte. Er lief zurück und ließ den Berater frei: "Bitte entschuldige, dass ich dich in den Brunnen sperren ließ.“
„Mein König, eine Entschuldigung ist nicht nötig! Es war ein Segen, dass Ihr mich in diesen Brunnen geworfen habt!”
„Aber wie ist es möglich, dass du darin auch wieder etwas Gutes siehst?“, fragte der König.
„Hätte ich nicht hier im Brunnen gesessen, hätten die Kopfjäger doch mich als Opfer genommen!“
aus Alan Cohen: Wiedergefunden (Text leicht geändert)

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